Elektrische Fußbodenheizung als Vollraumheizung

Heizen mit Strom klingt für viele Eigenheimbesitzer und Eigenheimbesitzerinnen nach hohen Kosten im laufenden Betrieb – doch bei gut gedämmten Neubauten und energetischen Sanierungen sieht das ganz anders aus. Die elektrische Fußbodenheizung ist eine wartungsarme, platzsparende Heizlösung, die in der Anschaffung deutlich günstiger ausfällt als viele klassische Systeme. Wir erläutern im Folgenden, für wen sich die elektrische Vollraumheizung lohnt, was sie kostet und welche Vorteile sie im Alltag bietet.

Heizen
Elektrische Heizmatte wird auf dem Rohboden eines Raumes verlegt. © DEVI

Was ist eine elektrische Vollraumheizung?

Bei einer elektrischen Fußboden- oder Vollraumheizung werden Heizmatten mit Widerstandsheizkabeln im Estrich oder direkt unter dem Fliesenbelag verlegt. Das Prinzip dieser Stromdirektheizung ähnelt einer wassergeführten Fußbodenheizung – nur ohne Wasserleitungen, Heizkessel oder Technikraum. Die Heizmatten sind lediglich rund drei Millimeter stark. Mit Ausgleichsmasse ergibt sich ein Gesamtaufbau von etwa einem Zentimeter. Das macht das System auch interessant für Renovierungen und Dachausbauten, bei denen jeder Millimeter Aufbauhöhe zählt.

Vollraumheizung oder Fußbodentemperierung – was ist der Unterschied?

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf diese beiden Begriffe, die aber unterschiedliche Konzepte bezeichnen. Die elektrische Fußbodentemperierung ist eine Komfortlösung für einzelne Räume – klassischerweise das Badezimmer. Die flachen Heizmatten sorgen dafür, dass die Fliesen morgens angenehm warm sind, das System übernimmt aber nicht den Heizbedarf des gesamten Gebäudes. Als alleiniges Heizsystem ist die Fußbodentemperierung nicht ausgelegt.

Die elektrische Fußboden- oder Vollraumheizung hingegen ist auf die vollständige Beheizung eines Hauses ausgelegt. Heizmatten werden in allen Räumen verlegt und auf die jeweilige Heizlast des Gebäudes abgestimmt. Das System ersetzt Heizkessel, Wärmepumpe oder Gasheizung vollständig – vorausgesetzt, das Gebäude ist gut genug gedämmt, um den Energiebedarf auf ein wirtschaftlich sinnvolles Niveau zu senken.

In der Praxis kommen beide Varianten auch kombiniert vor: Die Warmwasserfußbodenheizung versorgt das gesamte Haus, während einzelne Räume wie Bad oder Küche zusätzlich mit einer Temperierung für schnellen Komfort ausgestattet werden.

Wie teuer ist eine elektrische Fußbodenheizung?

Das hartnäckigste Vorurteil lautet, Heizen mit Strom sei viel zu teuer. Doch gerade bei modernen, gut gedämmten Gebäuden ist das Gegenteil der Fall.

Anschaffungskosten

Für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern liegen die Gesamtkosten inklusive Regelungstechnik und Montage bei etwa 8.000 bis 10.000 Euro. Zum Vergleich: Eine Wärmepumpe kostet in der Anschaffung schnell das Drei- bis Vierfache.

Laufende Heizkosten

Ein konkretes Rechenbeispiel verdeutlicht die Betriebskosten: Bei einem Doppelhaus im KfW-40+-Standard mit PV-Anlage liegen die monatlichen Heizkosten bei etwa 55 bis 65 Euro pro Haushälfte. Ohne Photovoltaik sind es etwa 80 Euro im Monat.

Ein zweites Beispiel zeigt, dass sich das auch auf kleinere Gebäude übertragen lässt: Ein Reihenhaus in Koblenz mit 90 Quadratmetern Wohnfläche kommt mit PV-Anlage auf rund 100 Euro Gesamtstromkosten im Monat – und zwar für den gesamten Haushalt, also Heizung, Licht und alle Geräte zusammen. Ohne Solaranlage wären es etwa 130 Euro.

Weitere Einsparungen

Neben den reinen Energiekosten fallen bei der elektrischen Fußbodenheizung weitere Kostenpositionen weg:

  • Kein Technik- oder Heizraum erforderlich – der Platz kann anderweitig genutzt werden
  • Kein Schornstein und kein Schornsteinfeger nötig
  • Praktisch kein Wartungsaufwand
  • Keine aufwendige Anlagentechnik mit Rohrleitungen oder Pumpen

Warum ist die elektrische Vollraumheizung so wenig bekannt?

Wer noch nie von der elektrischen Vollraumheizung gehört hat, ist damit nicht allein – und das hat einen konkreten Grund: Bis 2018 war es in Deutschland nicht erlaubt, Strom als alleiniges Heizmedium für ein Gebäude einzusetzen. Der Gesetzgeber sah elektrische Energie damals als zu wertvoll an, um sie ausschließlich zum Heizen zu nutzen. Seitdem hat sich die Rechtslage geändert. Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien aus Photovoltaik, Wind und Biomasse macht Strom heute zu einem zunehmend klimafreundlichen Energieträger, der sich auch für die Gebäudeheizung verantworten lässt.

Bekannt war die elektrische Fußbodenheizung bis dahin vor allem als Komfortlösung für Bäder und Einzelräume. Als Vollraumheizung hat sie in Deutschland über zwei Jahrzehnte ein Schattendasein geführt – obwohl die Technik längst ausgereift war. Gebäude aus der Mitte der 1990er Jahre, in denen solche Systeme bereits verbaut wurden, laufen vielerorts noch heute problemlos.

Für welche Gebäude eignet sich die elektrische Vollraumheizung?

Ideal ist die elektrische Vollraumheizung für gut gedämmte Neubauten ab KfW-55-Standard, noch besser ab KfW 40. Aber auch bei Modernisierungen bietet sie Vorteile: In einzelnen Räumen wie Bad oder Küche dient sie als Fußbodentemperierung, wo häufig kein Heizkörper vorhanden ist. Bei Anbauten oder Dachausbauten erspart sie das aufwendige Erweitern der bestehenden Heizungsanlage. Die elektrische Lösung funktioniert dabei sowohl als Vollversorgung für das gesamte Haus als auch als Ergänzung zu einem bestehenden Heizsystem.

Welche Bodenbeläge sind geeignet?

Elektrische Fußbodenheizungen lassen sich mit den meisten gängigen Bodenbelägen kombinieren. Fliesen sind die beste Wahl, da sie Wärme besonders gut leiten und schnell abgeben. Auch PVC, Kork, Laminat und Holzböden funktionieren problemlos – vorausgesetzt, der Hersteller gibt den Belag für den Einsatz über Fußbodenheizung frei. Das sollte vor dem Kauf geprüft werden.

Etwas mehr Aufwand erfordert Teppichboden: Er leitet Wärme schlechter durch und braucht in der Regel eine spezielle Unterkonstruktion mit Ausgleichsmasse, damit die Heizmatte eben liegt und der Boden plan verlegt werden kann. Möglich ist es, aber es erhöht den Installationsaufwand. Wer beim Bodenbelag noch nicht festgelegt ist, fährt mit Fliesen oder einem für Fußbodenheizung freigegebenen Vinylboden am unkompliziertesten.

Schnelle Reaktionszeit: ein Komfortvorteil im Alltag

Während eine wassergeführte Fußbodenheizung mehrere Stunden benötigt, um einen Raum zu erwärmen, erreicht die elektrische Variante im Dünnbettsystem ihre Wohlfühltemperatur innerhalb von 15 bis 20 Minuten. Dank selbstlernender Thermostate passt sich das System dem jeweiligen Fußbodenaufbau an: Es erkennt, wie lange die Aufheizphase dauert, und beginnt rechtzeitig mit dem Heizen. So sind beispielsweise morgens um 7 Uhr die Badezimmerfliesen warm – und um 8 Uhr, wenn das Haus leer ist, schaltet die Heizung automatisch ab.

Bei einem Doppelhaus im KfW-40+-Standard mit PV-Anlage liegen die monatlichen Heizkosten bei etwa 55 bis 65 Euro pro Haushälfte.“ – Markus Schuster, Vertriebsleiter von DEVI by Danfoss und Experte der Initiative WÄRME+

Smart-Home-Heizungssteuerung: Sparpotenziale durch intelligente Stromzähler und variable Tarife

Moderne elektrische Fußbodenheizungen lassen sich per App und Zeitprogramm steuern. Besonders lohnend wird es in Kombination mit intelligenten Stromzählern und variablen Tarifen: Ist der Strom nachts günstiger, kann die Raumtemperatur um zwei bis drei Grad angehoben werden. Die Wärme speichert sich im Estrich und wird über den Tag hinweg abgegeben. Auch die Kombination mit einem Batteriespeicher, der nachts günstigen Netzstrom lädt, bietet zusätzliche Einsparmöglichkeiten.

Häufig gestellte Fragen

Kann man ein ganzes Haus elektrisch beheizen?

Ja. Bei Neubauten mit modernem Dämmstandard (ab KfW 55) ist die elektrische Fußbodenheizung als alleiniges Heizsystem geeignet. Sie wird in allen Räumen verlegt und über individuelle Thermostate gesteuert.

Wie hoch sind die Stromkosten für eine elektrische Fußbodenheizung?

Das hängt vom Dämmstandard und der Nutzung ab. Bei einem gut gedämmten Neubau (KfW 40+) mit PV-Anlage liegen die Heizkosten bei rund 55 bis 65 Euro monatlich. Ohne PV-Anlage sind etwa 80 Euro pro Monat realistisch – bezogen auf eine Doppelhaushälfte.

Braucht eine elektrische Fußbodenheizung viel Wartung?

Nein, der Wartungsaufwand ist nahezu null. Es gibt keine beweglichen Teile, keinen Wasserkreislauf und keinen Brenner. Die einzigen sichtbaren Komponenten sind die Thermostate an der Wand.

Ist die elektrische Fußbodenheizung auch für Bestandsbauten geeignet?

Ja, besonders im Rahmen einer energetischen Sanierung oder als Ergänzung in einzelnen Räumen wie Bad, Küche oder bei Dachausbauten. Die geringe Aufbauhöhe von etwa einem Zentimeter macht eine Nachrüstung unkompliziert.

Lohnt sich bei der elektrischen Fußbodenheizung die Kombination mit einer PV-Anlage?

Ja. Eine Photovoltaikanlage kann bis zu einem Drittel des jährlichen Heizstrombedarfs abdecken. Mit zusätzlichem Batteriespeicher sinken die monatlichen Heizkosten auf bis zu 55 Euro (bezogen auf eine Doppelhaushälfte im KfW-40+-Standard).

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